Wiedereintritt

Deutschland – Duisburg, Unkel
29. – 30. Juni 2016
50 Grad nördliche Breite

Auf dem Rückflug von Moskau nach Düsseldorf kommt noch einmal unser kleiner Geigerzähler zum Einsatz. Wir haben nirgendwo erhöhte Strahlungswerte gemessen. Nur beim Fliegen. Die Strahlenwerte sind in 11 km Höhe um mehr als das 20-fache erhöht.

Dann wieder deutschen Boden unter den Füssen. Ganz komisch. Man kann in Deutsch nach dem Bus fragen. Ganz ungewohnt. Viele haben aber keine Ahnung, da sie nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.

Ein letztes Mal zelten im Garten von Rainers Elternhaus in Duisburg, verbunden mit einem herzlichen Willkommen von Moni und Burkhard, die jetzt das Haus bewohnen.

Am nächsten Tag mit dem Zug bis Remagen.

Da gibt es heimischen Leberkäse mit Bratkartoffeln – herrlich.

Die Nixe bringt uns nach Erpel und dann unsere Beine nach Bruchhausen, wo wir unseren Fireball begrüßen.

Jetzt pirschen wir uns von der Waldseite auf unser Haus zu.

Ein überwältigender Empfang.

Die Kinder haben unsere Freunde zu Wiedereintritt in das "normale Leben" eingeladen. Der Abend erinnert uns an die Farewellparty vor einem Jahr.

Unsere GlobusRunde ist damit zu einem Runden Ende gekommen.

Am 1.7. ging es wieder für Rainer zur Arbeit. Danke für den sehr freundlichen Empfang, da fühlt man sich auch dort schnell wieder zu Hause.

Danke an alle unsere "Blog Follower" für das große Interesse an dem Projekt und die wunderbaren Kommentare.
Alle eure lieben Segenswünsche, die wir vor unserer Abreise erhielten, haben uns begleitet.

Danke dem Herrgott für seinen Schutz, den wir erfahren durften.

Hauptstadtflair

Russland – Moskau
26.-28. Juni 2016
55 Grad nördliche Breite

Nach 25 Stunden Zugfahrt bis Moskau holt uns Nikolay, unser Couchsurferhost, am Moskauer Bahnhof ab. Wir bekommen einen Schnellkurs im Metrofahren (viele Stationen haben beeindruckende klassische Bahnhöfe) und er erklärt uns die interessanten Punkte im Zentrum der Stadt. Nikolay spricht Englisch und Deutsch, er hat eine zeitlang in Münster studiert. Sein Zimmer in seiner WG stellt er uns zur Vergügung. Er nimmt sich trotz seiner Arbeit an der Uni Zeit für uns und lädt seine reisefreudigen Freunde Katja und Russlan ein, mit denen wir Reiseerfahrungen austauschen.

Wir besuchen den Roten Platz, in den auch das Leninmausoleum sehr unauffällig, in modernerem Stil als das Umfeld, integriert ist. Den mumifizierten Lenin kann man sich dort ansehen.
Aus dem Kremlbesuch am Tag unserer Ankunft wird nichts. Vollsperrung, wie wir nach der Umrundung der roten Kremlmauer (über 2 km lang) feststellen. Das ganze Gelände ist mit Zäunen und Polizei abgesperrt. Wir bekommen nur immer wieder als Handzeichen die gekreuzten Arme gezeigt. "Hier geht nichts" – das haben wir verstanden.

Am Ende erfahren wir, dass ein Kongress stattfindet. Dafür können wir den Kremel am nächsten Tag mit vielen anderen meist asiatischen Touristen besichtigen.

Die Zarenglocke wiegt sageundschreibe über 200 Tonnen. Beim Herausheben brach ein Stück ab.

Hier ist nichtöffentlicher Kremlbreich:

Das Schönste ist die Basilius Kathedrale

Viele wunderschöne Parks gibt es in und um Moskau. Die Menschen genießen das herrliche Sommerwetter.

Nun heißt es Abschied nehmen, von Nicolay, von Moskau, von Russland und von unserer Reise "once around the world".

Lagerfeuer

Russland – Perm, Kungur, Usva
22.-25. Juni 2016
58 Grad nördliche Breite

In Perm sind wir bei Natalia und ihrem Sohn Olek. Sie wohnt in einem Zimmer, in dem wir auch noch Platz finden. Sie holt uns am Bahnhof ab.

Natalia arbeitet online, sie hat ihr Telefon und ihr Pad immer dabei. Sie verbringt die ganze Zeit mit uns und arbeitet nebenbei z. B. beim Busfahren. Unglaublich so was haben wir noch nicht erlebt. Abends kommen noch Olga und Dimitry, ebenfalls Couchsurfer, die selbstverständlich auch noch ins Zimmer passen.

Wir besuchen die Eishöhle bei Kungur, über 5 km lang und Minus 2,4 Grad (brrrr!) bei ca. 25 Grad Außentemperatur.

Mit dem Kleinwagen ihrer Schwester Jula fahren wir zu fünft nach Usva, 200 km entfernt. Hier kann man mit Katamaran-Flößen den Fluß entlangschippern.

Es ist Freitagnachmittag, viele Gruppen sind mit Flößen unterwegs.

Natalie versucht ein Floß zu finden. Es wird spät, die Dämmerung setzt ein, gegen 22 Uhr geben wir auf und bauen unser Zelt an einer Anlegestelle auf. Hier sind noch andere Zelte.

Es dauert nicht lange und die Nachbargruppe lädt uns ein bei ihnen Platz zu nehmen. Sie haben drei Gitarren dabei, spielen und singen russische Lieder, die unter die Haut gehen. Herrliche Abendstimmung.

Es dämmert immer mehr, aber dunkel wird es nicht. Die Wolken spielen ihr Spiel mit dem Mond, der aufgeht.

Das Feuer wärmt, darüber ein Eimer mit heißem Wasser für чай, wie sie Tee nennen.

Wir versuchen ein Gespräch, es funkioniert auch ohne gemeinsame Sprache. Wodka mit Brot und Wurst machen die Runde. Die Lieder gehen ihnen nicht aus. Drei Mädchen kommen dazu, eine singt und spielt so gut Gitarre, dass man Gänsehaut bekommt.

Es ist nach Mitternacht und es wird lansam wieder etwas heller, die Kopflampen für die Gitarrengriffe werden ausgemacht. Rainer geht ein paar Schritte zum Fluß – die Natur schläft mit offenen Augen – kein Tier – die Luft ist still – nur der Fluß bewegt sich lansam und gleichförmig zu Tal – die Funken des Lagerfeuers erlischen auf ihrem Weg zum Himmel.

Einer sagt родарок und hält einen kleinen Holzbecher in der Hand, ein spezieller Wodkabecher aus Bikenholz gemacht. Ein Geschenk für Rainer mit Vodka gefüllt. Rainer ist tief beeindruckt über die Geste.

In der Morgendämmerung am Feuer mit den Gitarren sitzend ziehen die Gedanken durch die Welt. So freundlich und herzlich sind die Russen, die "alten Feinde" aus unserer Kindheit. Ist das nicht verrückt – könnte sein, das deren Väter und unsere Väter vor über 70 Jahren aufeinander geschossen haben.

Es ist hell, als wir uns ins Zelt legen. Natalia hat ihr Zelt vergessen, sodass wir unsere "Jurte" für uns alle anbieten.

Am nächsten Morgen bauen wir gemeinsam zwei Boote zusammen.

Eine herrliche Flußfahrt, Berge, Wälder und Wiesen ziehen vorbei.

Ab und zu setzen wir auf und müssen anschieben – eine tolle Stimmung an Bord. Gelebte russische Gastfreundschaft, die wir uns nicht besser vorstellen konnten.

Sie verabschieden sich mit einem russischen Lied – до свидания
(do swidanja – Auf Wiedersehen)

Kontinentspagat

Russland – Ekatarinburg
17. – 21. Juni 2016
53 Grad nördliche Breite

Nach der ersten großen Fahrt von 29 Stunden bis Tomsk auf der Transsibirienroute wissen wir, wie der Hase läuft. Ein Tag und eine Nacht ist die richtige Dauer. Dann ist ein Stopp sehr angenehm.

Wir planen die Strecke bis Moskau:
Ein Tag bis Yekaterinburg
Ein halber Tag bis Perm und dann
1 Tag bis Moskau. Ingesamt sind es noch 2900 km Luftlinie.

Zunächst bringt uns die zweite Langstreckenfahrt nach Yekaterinburg, eine moderne Millionenstadt.

Yekatarinburg hat sehr westlichen Charkter. Modere Gebäude, Parks und Autos. Ebenso westlich, wie die Kleidung der Passanten, die Geschäfte und Restaurants.

Von hier aus besuchen wir die europäisch-asiatische Grenzlinie innerhalb von Russland.

Mit dem rechten Fuß in Europa mit dem linken in Asien.

Das Ikonenmusezm besticht mit Details.

Wir besuchen Slavi, einen Couchsurfer, der uns schon in Unkel besucht hatte.

Er wohnt bei seinen Eltern in Schadrinsk. Wir werden sehr, sehr herzlich aufgenommen, bleiben zwei Nächte und erkunden eine typische russische ruhige Kleinstadt. Viele in die Jahre gekommene Plattenbauten. Die landschaftlich schöne Umgebung erradeln wir.

Eine weitere typische Großstadt erleben wir in Tscheljabinsk bei Slavis liebenswerter Freundin Alicia kennen.

Die Stadt wurde bekannt durch den größten Meteorabsturz seit 100 Jahren mit über 1000 Verletzten. (Viele Videos gibt’s davon im Netz). Besonders gefiel uns die Fußgängerpassage, die mit vielen Figuren gestaltet ist.

Lebensart

Russland – Tomsk
14. – 15. Juni 2016
56 Grad nördliche Breite

Tomsk ist eine der ältesten Städte Sibiriens (1604 gegründet), auch kulturelle Hauptstadt Sibiriens genannt. Viele alte und sehr schöne Holzhäuser aus der Zeit, als die Haupthandelsroute hier verlief, sehen wir.

Daneben hat die Stadt auch ein modernes Gesicht, ähnlich unseren deutschen Großstädten, mit vielen Parks, Theatern, Museeen etc.. Die Supermärkte sind gefüllt und führen viele uns bekannte deutsche und europäsche Markenprodukte. Auf einige Produkte sind wir übrigens in jedem Land gestoßen, z. B. auf Rainers Lueblingsketchup:

Die Mehrheit der Autos sieht neu aus, meist von japanischen Herstellern. Wir sind beeindruckt zu hören, dass diese Autos im sibirischen Winter nachts bei Extremtemperaturen von selbst für 20 Minuten anspringen, um einem Frostschaden vorzubeugen. Russische Autos, wie den Lada (was wir erwartet hatten), sieht man selten.

Interessant auch die Distanzierung von Stalin und der „Sovijetzeit“, wie die Zeit vor dem Zerfall der Sowijetunion genannt wird. Besonders viel erfuhren wir darüber im „Oppressionmuseum“, ein ehemaliges Verhörgefängnis.

Wir wohnen bei Elena und Genya mit Sohn Wanja, Hund und Katze im 8.Stock eines Hochhauses; wir bleiben 2 Nächte. Sie ist Deutsch- und Englischlehrerin und wir sprechen Deutsch mit ihr.

Elena zeigt uns sie Stadt.

Die Familie ist supernett (auch Hund und Katze mit Rainer). Abends kochen wir typisch Deutsch.

Transsibirien

Russland – Irkutsk bis Tomsk
12.-13. Juni 2016
52-56 Grad nördliche Breite

Heute fahren wir den ersten großen Abschnitt mit der berühmten transsibierischen Eisenbahn von Irkutsk nach Tomsk. Es dauert fast 29 Stunden. Einen Tag eine Nacht und noch den Vormittag.

Enge Liegewagen, nahezu ausgebucht und fast nur Einheimische. Man muss lernen mit dem Platz umzugehen. Die Menschen sind dabei freundlich und rücksichtsvoll miteinander.

Interessant sind die Fahrpläne. Fast wären wir 5 Stunden zu früh am Bahnhof gewesen. Die Uhren gehen nicht nur scheinbar, sondern wirklich anders.

Als wir in Peru waren, kam Rainer auf die Idee man könnte doch auf der ganzen welt nur eine Zeit verwenden. Das Uhrumstellen würde dann entfallen. Kein erst gemeinter Vorschlag, aaaber nun erleben wir das die russische Eisenbahn genau das macht !! Alle Fahrpläne und alle Uhren an Bahnhöfen zeigen Moskauzeit. Und dabei hat 11 verschiedene Zeitzonen.

Wir wollten einen Nachzug nehmen um 1:23h, der geht aber Ortszeit erst 5 Stunden später: 6:23h. Zum Glück haben wir es noch rechtzeitig erfahren und bleiben noch eine Nacht im Hostel.

Der Service ist nett. Ab und zu kommt eine Hostess mit Teilchen vorbei:

Kurz nach uns steigt eine ältere Frau ein. Sie scheint Routine beim Reisen zu haben. Koffer passen genau unter die Koje. Sie bezieht ihr Bett, dasHandtuch kommt griffbereit an einen Bügel, die Folienverpackung der Bettwäsche wird als Abfalltüte verwendet.

Jeder Wagen hat einen Zugbegleiter, der jeden in seinem Wagen kennt und an den Bahnhöfen die Tür bewacht.

Liegen, sitzen, stehen, lesen und reden so verbringen wir den Tag. Manchmal gibt es auch Stops von 20 Minuten, dann kann man am Bahnhof spazieren gehen. Wir kommen in eine andere Zeitzone, so das wir zur Ortszeit noch eine Stunde geschenkt bekommen. Scheinbar wird die Fahrt noch länger.

Die Landschaft ist lieblich, leichte Hügel, Wiesen und Wälder. Alles in frischem Frühlingsgrün. Es sind sehr viele Birkenwälder und wenig Nadelhölzer zu sehen.

Heißes Wasser gibt es immer. Der Spender sieht aus wie aus einem alten Chemielabor.

Die Züge selbst sind in die Jahre gekommen, aber robust gebaut.

Wir reisen in der 2ten Klasse. Dann gibt es noch „Cabin“ mit einer Tür zum Gang und 4 Personen im Abteil. In „Lux“ sind dann 2 Personen in einem Abteil.

Die Bahnhöfe machen einen modernen Eindruck. Meist restauriert oder neue Gebäude.

Pünktlichkeit steht oben an. Oft etwas vor der Zeit im Bahnhof und dann geht es auf die Minute weiter.

Alles hat seinen eigenen Charme auf den man sich als Europäer einlassen kann oder vielleicht auch nicht. Aber wir können es im Urlaub.

Hier in Russland gehen die Uhren eben anders als bei uns…..

Abtauchen

Russland – Listwjanka, Bolschije Koty
9.-11. Juni 2016
52 Grad nördliche Breite

Jetzt geht es auf einem weiteren sehr schönen Wanderweg des „Great Baikaltrails“ von Listwanka bis Bolschije Koty im Wald und am See entlang.

Zum Wandern braucht man in diesem Nationalpark eine Permit, die wir uns in Listwjanka besorgten.

Nach 22 km erreichen wir Bolschije Koty. Dieser Ort ist nur zu Fuß oder mit dem Schiff zu erreichen. Die meisten Häuser werden hier als Wochenendhäuser genutzt.

Wir übernachten in einem Hostel, das man kennen muß, erkennen kann man es nicht als Hostel. Die Adresse haben wir ebenfalls in Listwjanja erhalten.

Hier treffen wir auch Rosemarie und Julia, als „alte Bekannte“ aus einem anderen Hostel wieder.

Alexej, der Betreiber, bietet uns abends noch Bano an, die russische Sauna mit Wasseraufgüssen.

Das tut richtig gut nach der langen Wanderung und dem kalten Abend. In der Sauna trägt man hier Filzhüte, die stark an Tirol erinnern.

So sieht der Einkaufsladen in Bolschije Koty (und ähnlich auch in anderen Orten) aus:

Am nächsten Tag wandern wir weiter am See entlang nach Osten. Der Baikalsee wirkt wie ein Meer, das andere Ufer ist nicht sichtbar. Wir übernachten im Zelt.

Am Ortsrand stoßen wir auf eine Tauchbasis. Bei 4 Grad C gehen die Taucher teilweise im halbtrocken Taucheranzug ins Wasser. Im Winter gibt es sogar Eistauchen.
Wir haben Glück, eine junge Frau der Basis spricht Englisch und so wird ein Tauchgang vereinbart. Rainer erhält ein Briefing und wird in den Trockentauchanzug verpackt. Taucher sprechen unter Wasser international dieselbe Spache und ab geht es mit Eduard, einem russischen Techtaucher als guide, 32 Min. in das glasklare Wasser bis auf 17 m Tiefe.

Auf der Felsenlandschaft (vulkanischer Ursprung) spielt das Sonnenlicht das Lied der Wellen. Die Sicht ist schärfer als oftmals im Meer – mindestens 25 m weit. An der Steilwand sind kleine Schnecken und Fische. Grüner leuchtender Bewuchs sticht hervor, mit dem endemische Baikal-Schwamm. Ein neues Taucherlebnis.

Gisela und Rainer